Neurovisions

 Am Anfang des Jahre 2010 wurde auf Kampnagel in Hamburg das Theaterstück „Neurovisions – Eine gesamteuropäische Touretterie“ uraufgeführt. Insgesamt gab es sieben Vorstellungen von diesem Musiktheaterstück in dem es darum ging, die Musik des Grand Prix mit den Tics von Tourette-Betroffenen zu verbinden. Drei Touretter, ein Neurologe und vier professionellen Performer befanden sich auf der Bühne. Die Touretter und der Neurologe sollten hauptsächlich auf der Bühne anwesend sein und ihren Tics freien Lauf lassen, während die Performer verschiedene Varianten der Songs aus dem Grand Prix der letzten Jahrzehnte zum Besten gaben. In einigen Situationen wurden die Touretter aber doch mit einbezogen und hatten leichtere Parts während der Lieder. Der Gedanke hinter dieser Produktion war der, dass in der Geschichte des Grand Prix von Jahr zu Jahr mehr Bewegung in die Darbietungen der Künstler kam. Während in den 60er Jahren noch sehr bewegungsarm gesungen wurde, begann spätestens in den 80ern mit Dschingis Khan die Zeit, in der auch sehr viel Bewegung auf die Bühne kam. Viele der Bewegungen konnten auch als bewusst produzierte Tics gewertet werden. Dies wurde von der Regie von „Neurovisions“ auch getan. Es sollte einfach die Kluft zwischen Menschen mit Tics, die aus einer neurologischen Erkrankung resultierten, und Menschen mit bewusst herbeigeführten Tics verkleinert werden. Es stand die Frage „warum werden Menschen mit Tourette-Tics ausgegrenzt, während Menschen, die mit Absicht „ticcen“, gefeiert werden.

Das Theaterstück sollte auch ein wenig provokativ sein. Es sollte auch mal Öffentlichkeitsarbeit auf eine andere Weise gemacht werden. Und genau dieser Nerv wurde auch getroffen. Es wurde diskutiert, ob man Menschen mit einer Krankheit auf einer Bühne „bloßstellen“ darf oder ob dies genau das Richtige ist um Menschen mit Behinderungen aus der Isolation und Ausgrenzung herauszuhelfen.

 

Artikel zum Theaterprojekt Neurovisions in Kooperation mit „opera silens“ auf Kampnagel