EMTICS – European Multicenter Tics Study

EMTICS ist die Bezeichnung der ersten paneuropäischen, langfristig angelegten Studie zum Tourette-Syndrom und chronischen Tic-Störungen, die ihm Rahmen des s.g. „Seventh Framework Programme“ (FP7) der Europäischen Union durchgeführt wird. An diesem insgesamt mit 6 Millionen Euro geförderten Forschungsprojekt beteiligen sich 27 Partner aus insgesamt 10 europäischen Ländern.

Hauptaugenmerk der Studie liegt auf dem Einfluss von bakteriellen Infektionen mit s.g.
ß-hämolysierenden Streptokokken, den Erregern des Scharlachs (= Mandelentzündung mit Rötung und Schwellung des Rachens und der Mandeln, Fieber und Hautausschlag), in Bezug auf die Entwicklung von Tics. Diese Bakterien werden schon seit Jahren als eine mögliche Ursache von Tics diskutiert, ein definitiver Nachweis dafür konnte bisher allerdings nicht erbracht werden.
Auch mögliche Faktoren wie genetische Veranlagungen, der individuelle Immunstatus eines Menschen, vorgeburtliche und geburtliche Komplikationen und bestimmte Umweltfaktoren wie z.B. Stress sollen hinsichtlich ihres Einflusses auf die Entstehung und den Verlauf von Tics untersucht werden. Möglicherweise wirken die eben genannten Einflussgrößen auch auf die mit Tics häufig assoziierten Begleiterkrankungen wie Zwangsstörungen und Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS), ein weiterer Aspekt, der in der Studie analysiert werden soll.
In dieser über einen Zeitraum von 3 Jahren angelegten Studie sollen insgesamt 500 gesunde Kinder mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung von Tics (d.h. mit einem Angehörigen ersten Grades, der selbst Tics hat) und 700 Kinder mit Tics untersucht werden. Mit Hilfe von regelmäßigen Visiten in den jeweils an dem Projekt teilnehmenden Kliniken, Telefoninterviews, wiederholten Blutentnahmen für genetische, immunologische und mikrobiologische Tests und diversen Fragebögen soll anhand der umfangreichen Daten ermittelt werden, welche Einflussfaktoren die Entstehung (ONSET Studie, Dauer: 3 Jahre) und den Verlauf (COURSE Studie, Dauer: 1 Jahr) von Tics am meisten beeinflussen.
Durch das daraus gewonnene Verständnis über die Ursachen von Tics sollen in der Zukunft neue klinische Anwendungen möglich werden, wie z.B. die Entwicklung von präventiven Maßnahmen und ursächlich wirkenden Therapien (z.B. spezifische Antibiotika, Immuntherapien etc.).

Ziel ist auch, Vorhersage-Modelle für das Risiko von Nachkommen von Patienten mit Tics hinsichtlich der Erkrankungswahrscheinlichkeit zu entwickeln.
Bis 2017 sollen die Ergebnisse aller Tests ausgewertet und veröffentlicht sein.
Auch das Department für Bewegungsstörungen und Neuropsychiatrie bei Kindern und Erwachsenen des UKSH Lübeck unter der Leitung von Prof. A. Münchau beteiligt sich an diesem wichtigen Projekt der Ursachenforschung.

Zusätzliche Informationen erhalten Sie auch hier:

EMTICS Website

EMTICS Flyer

 

TIC Genetics – Tourette International Collaborative Genetics

TIC Genetics stellt eine internationale Forschungsgemeinschaft dar, die sich mit den genetischen Grundlagen des Tourette-Syndroms befasst. Weltweit sollen Patienten mit dem Tourette-Syndrom sowie deren Familienangehörige über mehrere Generationen hinweg mit Hilfe spezieller Untersuchungsmethoden der DNA und Zelllinien auf möglicherweise vorhandene genetische Marker des Tourette-Syndroms und anderer Tic-Störungen hin untersucht werden, um der Ursache von Tics auf den Grund zu gehen.

Weitere Informationen zu TIC Genetics und der Studie erhalten Sie hier:

TIC Genetics Website

 

Auch diese Studie wird in den kommenden Monaten in Lübeck anlaufen und durch uns betreut werden. Weitere Informationen dazu sowie zu einer möglichen Studienteilnahme folgen in Kürze (Stand 27.10.2012).

 

EUROVETO

Euroveto : Intentional Inhibition of Human Action

Euroveto ist eine europaweite Forschungsgruppe mit Mitgliedern aus 4 europäischen Staaten (Großbritannien, Deutschland, Belgien, Niederlande) und befasst sich mit verschiedenen Facetten der s.g. „Intentional Inhibition“. Darunter versteht man eine Art endogene Fähigkeit des Menschen zur Unterdrückung von Gedanken und Handlungen. Diese Eigenschaft ist essentiell zur Entwicklung des eigenen Willens. Trotz zahlreicher Vorstudien ist es bisher allerdings nicht gelungen, die neuronalen Grundlagen der Intentional Inhibition aufzuspüren.

Ziel dieses Projektes ist es, Formen der Intentional Inhibition auf ganz unterschiedliche Art und Weise zu beleuchten. Neben psychologischen und neurologischen Mechanismen und externen Einflüssen auf die Inhibition wird m.H. spezieller Paradigmen auch das Gleichgewicht von Aktion/ Inhibition untersucht.

Die Lübecker Forschungsgruppe befasst sich speziell mit der Inhibition von Tics bei Patienten mit dem Tourette-Syndrom. Ist es Patienten möglich, die Tics zu unterdrücken? Welche Hirnareale sind daran beteiligt?

 

Weitere Informationen zu Euroveto und der Studie finden Sie hier:

Euroveto Website