Aktuelle Forschungsprojekte der AG Bewegungsstörung unter Leitung von Prof. A. Münchau:

 

1.) Endogene Inhibition beim Gilles de la Tourette Syndrom

Eines der aktuellen Forschungsprojekte ist die wissenschaftliche Studie „ Inhibition beim
Gilles de la Tourette Syndrom“ unter der Leitung von Dr. Christos Ganos. Dieses Projekt
beschäftigt sich mit der Frage, ob bestimmte Inhibitionsvorgänge (=Unterdrückungsvorgänge)
bei Menschen mit Tourette-Syndrom grundsätzlich anders ablaufen, als bei Menschen, die
kein Tourette-Syndrom haben.

Dazu einige Erklärungen:
Damit der Mensch gewollte Handlungen ausführen und ungewollte Handlungen unterdrücken
kann, sind im motorischen System eine Reihe von Inhibitionssystemen involviert, die
ungewollte Handlungen herausfiltern und unterdrücken.

In Bezug auf die kognitive Kontrolle des motorischen Systems können zwei hauptsächliche
Inhibitionssysteme identifiziert werden:
1. ein exogenes System, das abhängig von externen Signalen Kontrolle auf die Motorik
ausübt. Beispiel: Rote Ampel ? Stehenbleiben.
2. ein endogenes System, das unabhängig von externen Signalen in die Bewegung
eingreift. Beispiel: die freie Entscheidung, stehen zu bleiben.

Die Erforschung des endogen-modulierten Systems ist schwer umzusetzen, da kein Signal
sichtbar ist, sondern es es zu einer spontanen Hemmung der Handlung kommt. Dadurch ist es
für den Beobachter schwer zu erkennen, ob und wann die Entscheidung gefallen ist, die
Handlung nicht auszuüben.

Zusammen mit Forschern des University College London (UCL), welche unter der Leitung
von Professor P. Haggard, eine führende Rolle auf dem Erforschungsgebiet der motorischen
Inhibition spielen, werden wir diesen Fragestellungen auf den Grund gehen. Dadurch erhoffen
wir uns ein besseres Verständnis der Pathophysiologie von Tics, welches die
Grundvoraussetzung für die Entstehung von neuen Therapiestrategien ist.
Für dieses Projekt eignen sich sowohl Erwachsene Tourette Patienten als auch Kinder und
Jugendliche.

Projektdurchführung:
Dr. Christos Ganos
Gruppe für Bewegungsstörungen Abteilung für Neurologie Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) Hamburg & Department für Bewegungsstörungen & Neuropsychiatrie, UKSH Lübeck
Email: c.ganos@uke.de

 

2. Studien zu Echophänomenen bei Tourette-Patienten

Eine unserer Studien befasst sich mit den sogenannten Echo-Phänomenen. Echopraxie
beispielsweise, bezeichnet das Phänomen, dass Bewegungen anderer spontan nachgeahmt
werden. Bei Tourette-Patienten sind diese Phänomene häufig zu beobachten. Um diese
klinische Beobachtung wissenschaftlich zu untermauern, zeigen wir unseren Probanden eine Reihe von Videos, auf denen einzelne Tics von Tourette-Patienten zu sehen sind. Mithilfe einer Videokamera zeichnen wir den Versuch auf und können so hinterher auswerten, ob unsere Probanden auf die Tic-Videos mit Echo-Phänomenen reagieren.

Zurzeit führen wir diese Studie mit Kindern im Alter zwischen 10 und 17 Jahren durch um zu sehen, wie sich diese Echo-Phänomene in der Jugend entwickeln. Zudem planen wir eine Studie mit gleichem Inhalt für Erwachsene, bei der wir mithilfe von funktioneller Magnet-Resonanz-Tomographie feststellen wollen, welche Hirnareale mit dem Zeigen dieser Echo-Phänomene in Verbindung stehen.

 

3. Plastizität des motorischen Kortex’ beim Tourette-Syndrom

Zudem führen wir derzeit Studien durch, bei denen wir mithilfe der sogenannten
transkraniellen Magnetstimulation (TMS) bestimmte Hirnbereiche stimulieren oder hemmen können. Die Wirkung von TMS beruht auf einem erzeugten Magnetfeld, welches durch den Schädel hindurch agieren kann, also nic ht-invasiv ist. Diese risikofreie Methode kann weitreichende Ergebnisse erzielen. Beispielsweise untersuchen wir damit aktuell die
synaptische Plastizität des motorischen Kortex’ bei Tourette-Patienten.

Durch gleichzeitige und kontinuierliche Stimulation des motorischen Kortex und der Nervenenden eines Fingers (paired associative stimulation) wird eine Langzeit-Potenzierung der betroffenen Nerven erreicht. Diese Methode basiert auf den natürlichen Lernmechanismen des Gehirns. Man nimmt an, dass, wenn zwei Neurone gleichzeitig feuern, sich ihre Verbindungen (Synapsen) stärken. Dieses Phänomen nennt man Langzeit-Potenzierung. Dies kann man auch mittels TMS erreichen. Für uns gilt es herauszufinden, ob die Bildung von Langzeit-Potenzierungen bei Tourette-Patienten vergleichbar ist mit gesunden Kontrollprobanden. Besonderheiten dieses Prozesses im motorischen Kortex könnten möglicherweise mit der Entstehung von Tics zusammenhängen.

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:
Frau Valerie Brandt: valerie.brandt@uni-hamburg.de